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Sunday, November 3, 2013

4. Vincent: Verzehren

Im ersten Semester an der Paganini lernte ich im Jazzunterricht eine temperamentvolle Mitstudentin kennen und viele würden zustimmen, dass sie für ein Mädchen ein sehr loses Mundwerk hat. Madeleine Lavie war ambitioniert, stolz, immer voller Tatendrang und hatte die Eigenschaften einer Anführerin. Sie zweifelte nie an ihrem Können und würde trotz schlechter Performance behaupten, dass sie die Beste wäre. Wir verstanden uns trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten ziemlich gut und es war auch Madeleine, die mich anfangs ansprach und mich einfach wie einen guten Freund behandelte. Meine bisherige Erfahrungen mit meinen Mitstudentinnen an der Paganini differenzierten sich kaum, denn die Mehrheit schien eine romantische Beziehung mit mir zu wollen. Ob das an meiner adeligen Herkunft lag? Die Familie Wachtfeldt hatte eine lange musikalische Geschichte und gehörte zur Elite. Madeleine war, wie gesagt, anders als viele andere Mädchen. Wenn ihr etwas nicht passte, sprach sie es offen aus. Durch die Blume sagen konnte sie anscheinend nichts und auf einige mochte ihre Art ein wenig zu harsch sein, aber so war die Miss Lavie.

Sunday, October 27, 2013

3. Damien: Übersehenes Talent

Jeder Mensch hat eine Fassade, hinter der er sich versteckt und das galt auch für mich. Ich spielte den Leuten was vor, lächelte freundlich und schon waren sie zufrieden. Lächerlich, einfach nur lächerlich.
Paps war ein Geigenbauer, der aufgrund einer siebenköpfigen Familie verarmte und, als ich sieben Jahre alt war, Selbstmord begann. Mutter war eine gewöhnliche Grundschullehrerin, die meine Geschwister und mich mit Mühe und Not durch die Armut brachte. Im Grunde genommen waren wir immer noch arm, aber es fiel ihr leichter zwei Münder zu füttern als Fünf. Meine drei älteren Geschwister kenne ich nicht wirklich und ehrlich gesagt muss ich das auch nicht. Elise, meine Schwester mit der ich aufwuchs, erzählte mir, dass die Älteren das Haus freiwillig verliessen um Mutter keine Last zu sein. Immer wenn Elise davon erzählte, sah sie so traurig aus, während ich keinerlei Verbindungen zu meinen drei älteren Geschwister herstellen konnte. Irgendwie traurig, wenn man das aus einer anderen Perspektive betrachtete.

Monday, October 21, 2013

Paganini Institut: Musikgruppen

Nennenswerte Musikgruppen und ihre Mitglieder, die in der Geschichte vorkommen. Namen in kursiv markieren den Leiter bzw. die Leiterin der Gruppe.


Chilly Harmony

Gründer: James Sterling

Die grössere Kammermusik hielt sich nicht lange und spaltete sich nach dem zweiten Semester in zwei kleinere Kammermusiken.

Frost Harmony

Samuel Cheshyre (Bass Violoncello)
Marie Rouge (Solo Violine)
Matthieu Goodlife (Zweite Stimme Violine)
Madeleine Lavie (Erste Stimme Violine)
Étoile Olivier (Viola)


Blizzard Harmony

Charles Stafford (Solo Klavier)
James 'Jackie' Sterling (Erste Stimme Flöte)
Roland Rust (Zweite Stimme Flöte)
Julian Flambert (Bass Fagott, Cembalo)
Eliane Bright (Oboe)
Corinne Zimmer (Klarinette)


Slicing Sound

Gründerin: Madeleine Lavie (ehemaliges Mitglied)

Airi Oracion (Gitarre, Vocal)
Cain Shropshire (Trompette)
Vincent Wachtfeldt (Saxophone)
Eric Schwarzdorn (Kontrabass)
Sereina Canzone (Klavier)


Overseen

Gründer: André Pigeonet, Damian Faker

André Pigeonet (Gitarre, Vocal)
Damian Faker (Klavier)
Manuel Preston (Bassgitarre)
Dennis Amauré (Schlagzeug)
Benjamin 'Ben' Lorey (Technischer Support)

*Matthieu Goodlife hilft ihnen ab und zu , wenn Damian nicht am Klavier sitzt.

Sunday, October 20, 2013

2. Samuel: Chilly Harmony



Ich hatte alles erwartet, aber dass ich von der Paganini, die wohl beste Institution für Musik und Kunst, aufgenommen werde, ging über die Grenzen meiner Vorstellung. Schliesslich wusste ich bis vor Kurzem nicht einmal, dass ich die Gabe dazu hatte.

An einem schwarzen Regentag flatterte ein Brief des Instituts ins Haus rein. Es war ein schlichtes Schreiben und unterschied sich nicht sehr von anderen Briefen, doch es sollte mein bisheriges Leben vollkommen verändern. Cello spielte ich erst seit meinem 13. Lebensjahr, das heisst viele andere Musiker, vor allem Streicher, hatten mindestens sechs Jahre mehr Erfahrung als ich. Vibrato, Tremolo und andere Techniken und Verschlierungen waren die reinste Tortur zum Üben. Meine Hände schmerzten und ich musste sogar zum Arzt, der eine Entzündung meines Handgelenkes diagnostizierte. Das brach meinen Willen noch lange nicht und nachdem die verfluchte Entzündung abgeklungen war, fing ich wieder an täglich mehrere Stunden lang zu üben, um die Zeit aufzuholen, in der ich nicht üben konnte. Ich steckte meine Seele in jedes einzelne Concerto und in jede einzelne Sonate um ihrer Schönheit gerecht zu werden. Selbst wenn meine Hände vor Schmerzen rebellierten, hörte ich nicht auf zu spielen bis mein Cello eines Tages in Einzelteile zerbrach. Es war kein Zerbrechen wie bei einem Fall aus dem zweiten Stock, nein, denn dies war der sonderbarste Moment in meinem Leben. Mein Cello löste sich vor meinen Augen in viele Fragmente auf, bündelte sich zu einer Art Energie und verschwand in meiner Brust. Ich spürte meine Seele in meinem Körper widerhallen, mein Cello war nun ein Teil von mir.


Monday, October 14, 2013

1. Anaïs: Ich nenne ihn C

Jeden Tag wenn ich in den Spiegel sah, stand dieser junge Kaukasier hinter mir, der mich seit dem Tod meiner Eltern begleitete. Zu diesem Zeitpunkt war ich sechs Jahre alt gewesen. Ich hatte ihn als niedlichen, kleinen Jungen in Erinnerung, er hatte blondes Haar und rosane Pausbacken, doch seine hellblauen Augen bereiteten mir Alpträume und ich litt in den ersten zwei Jahren unter Verfolgungswahn.

Sunday, September 29, 2013

Paganini Institut - Lageplan

Paganini Institut - Begriffserklärung

Paganini Institut für Kunst und Musik

Das Paganini Institut für Kunst und Musik wird von verschiedenen Staaten finanziert um aussergewöhnliche Talente aus dem Kontinent zu fördern. Im Grunde kann man das Institut auch als Konservatorium und Kunsthochschule bezeichnen, es ist jedoch nur für besondere junge Leute zugänglich, die das Institut selbst aussucht. Es gibt also keine Aufnahmeprüfung und ein Ausbildungsplatz ist für Leute ohne besondere Gabe nicht käuflich.

Auf dem Campus gibt es ein Hauptgebäude, in dem man die Administration und das Rektorat findet. Im obersten Stock des dreistöckigen Gebäudes haben die Künstler ihr Hauptatelier. Den Musikern stehen insgesamt drei Übungsgebäude zur Verfügung, die nach Instrumentenklassen unterteilt sind. Auf dem Hügel östlich von E03 steht das Orchestergebäude, in dem Musikgruppen zusammen üben können. Gelegentlich finden dort schulinterne Konzerte oder Duelle statt. Was an einem Institut nicht fehlen darf ist die Bibliothek. Diese ist mit allerlei Literatur über die Kunst- und Musikgeschichte ausgerüstet.

Während alle Studenten eine besondere Fähigkeit haben, sind die Lehrkräfte normale Leute, deren Mechanik sehr ausgeprägt ist. Es wäre zu gefährlich, wenn die Lehrkräfte über eine besondere Gabe verfügen würden. Die Aufgabe der Lehrkräfte ist es den Studenten alles beizubringen, was sie wissen. Gelegentlich findet auch Musik- und Kunstgeschichte statt, doch die wenigsten interessieren sich dafür.

Das Institut bietet nicht nur eine Ausbildung in Kunst und Musik an, sondern ist gleichzeitig auch ein Internat für die Schülerschaft. Die Paganini hat die Wohnheime allerdings nach Schichten unterteilt. In der Klasse 1 findet man aussergewöhnliche Talente, Nachkommen von Adeligen, Studenten, die international Erfolg haben oder die aus einem reichen Elternhaus stammen. Der Rest wird in die Wohnheimklasse 2 eingeteilt, die im Vergleich zu Klasse 1 viel kleiner ist und jedes Zimmer von zwei Studenten belegt wird.

An unterrichtsfreien Tagen können die Schüler in die Stadt gehen und ihre Freizeit geniessen. Nur das Spielen oder jegliche Art von Zeichnen in der Öffentlichkeit ist ihnen untersagt. Passiert dies trotzdem werden die Schuldigen verwarnt. Im schlimmsten Falle aber wird ihre Fähigkeit versiegelt und sie werden vom Institut ausgeschlossen.


Musiker

Als Kind finden sie das für sie bestimmte Instrument und bauen im Laufe der Jahre eine besondere Bindung zu diesem auf, so dass sie irgendwann die physische Form ihres Begleiters nicht mehr benötigen. Wenn sie spielen wollen, ziehen sie einen Seelenfaden von ihrer Schläfe und ihr Instrument manifestiert sich augenblicklich in ihren Händen.

Es ist zwar üblich, dass erwachsene Musiker mehrere Instrumente spielen können, aber kein Zweitinstrument kann so perfekt gespielt werden wie das Ursprungsinstrument. Am Institut spielen die Schüler daher nur ein Instrument, obwohl es auch Sonderfälle und Ausnahmen gibt.

Musiker sind in der Lage durch ihr Spiel die Gemüter ihrer Zuhörer zu beeinflussen und in besonderen Fällen kann ein Stück das Publikum manipulieren. Neben der Gehirnwäsche ist der Musiker auch in der Lage sogenannte Spirits zu beschwören, die er auf andere Menschen setzen und nach belieben wieder von seiner Zielperson nehmen kann. Dieser Spirit kann das Ziel einen Schutz vor Manipulationen bieten oder es nach dem Wunsch seines Meisters schaden. Um einen Spirit beschwören zu können, muss der Musiker das dazugehörende Stück des Geistes perfekt spielen können. Gelingt ihm das nicht, kann er den Spirit auch nicht beschwören.

Um einen Musiker seine Fähigkeit zu nehmen, muss sein Hauptinstrument von einem Künstler zerstört werden.


Künstler

Künstler können bereits als Kind sehr gut und detailgenau zeichnen. Es gibt auch Fälle, in denen kleine Kinder ihre Figuren dazu gebracht haben sich zu bewegen.

Es ist üblich, dass Künstler sehr manipulationsanfällig sind. Diejenigen, die einen Mentalangriff eines Musikers abwehren können, werden meistens von einem Spirit beschützt. Viele begabte Künstler meiden daher jeglichen Kontakt zu Musikern und gehen gar nicht auf Konzerte, um sich zu schützen.

Als Studenten an der Paganini lernen sie verschiedene Zeichentechniken, werden mit Ölmalerei, Acryl, Wasserfarben, etc. vertraut gemacht und sind irgendwann in der Lage ihre Werke aus der Leinwand springen zu lassen. Gleichzeitig fliesst ein Teil ihrer Seele mit in das lebendig gewordene Kunstwerk ein. Wenn das Werk zurück in die Leinwand kehrt, bekommt der Künstler das Seelenstück zurück.

Einem Künstler kann man kaum die Malutensilien wegnehmen, weil sie mit fast allem zeichnen können. Die zwei effektivsten Methoden einen Gestalter auszuschalten ist es ihm entweder beide Hände abzunehmen oder die lebendig gewordenen Werke zu zerstören. Das vernichten der Werke, die sich ausserhalb der Leinwand bewegen, führt dazu, dass das Seelenstück zerstört wird. Nach und nach wird der Künstler mental instabil und verrückt, weil seine Seele in Stücke gerissen worden ist. Solche Fälle enden meistens in psychiatrischen Anstalten.